H0 Gartenbahn — aber wie?

Ingenieurleistungen, Kunstbauten

voriger Teil: Trassenfundament

Die Überwindung wirklicher Hindernisse wie Hügel, Beete, Teiche und die Kreation dafür geeigneter Kunstbauten ist sicher eines der ganz besonderen Vergnügen am Gartenbahning. Dafür braucht’s Brücken, Viadukte, Einschnitte, Tunnels, Stützmauern, Galerien. Der besondere Witz „outdoors“ besteht darin, dass es weniger um die möglichst getreue Nachbildung von Vorbildern geht sondern um funktionierende Lösungen, die für Bahn und Gartenlandschaft „stimmig“ sind. Dabei ist alles „erlaubt“, was (1.) hilft und (2.) gefällt.

Brücken

Durchwegs positiv wird über Erfahrungen mit Brücken aller Art aus den bekannten Sortiments berichtet: Da werden häufig auch übrig gebliebene oder billig gebraucht gekaufte Brücken verwendet. Durchwegs werden diese aber mit möglichst lichtechten und witterungsbeständigen Farben behandelt. Wie des Öfteren beim Gartenbahning kommen dabei nicht notwendiger Weise Farben aus dem Modellbau-Handel sondern eher aus dem Autozubehör-Handel zum Einsatz — also bei Brücken etwa Stoßstangenfarbe! Auch bei den Brückenkonstruktionen selbst werden oft Bauteile aus anderen Bereichen (z.B. Elektro- oder Sanitärinstallation) zweckentfremdet. Es haben aber auch schon Leute Brücken von beeindruckender Größe und Stabilität aus unterschiedlichen Materialen vollkommen selbst gebaut.

Dem Erbauer dieser lauschigen Brücke ist überhaupt eine besonders schöne Eisenbahngärtelei gelungen:

Snow Hill & Valley Railway
Der fabelhafte MarkE hat diese Brücke aus billig gekauften, gebrauchten Seitenteilen einer alten „Hornby“-Brücke und noch einigen andern billig erworbenen Teilen gebaut. Die ganze Konstruktion ruht in Wirklichkeit auf einer Holzlatte und die runden Pfeiler, die sie vorgeblich stützen, hängen nur d’ran und enden kurz unter der Wasseroberfläche des Teiches.
Originalfoto: MarkE hier

Und hier ein vollständiger Eigenbau (aus Holz) von beeindruckendem Ausmaß:

Cable Stay Bridge
gebaut von Tony, from down under
Originalfoto: Tony, hier

Viadukte

Viadukte sind eine elegante Lösung, um längere Streckenabschnitte in „Hochlage“ zu führen und — wie im „wirklichen Leben“ auch — Höhenunterschiede des Geländes zu überwinden. Auch dabei besteht grundsätzlich die Möglichkeit, auf Handelsware zurückzugreifen:

Viadukte aus dem Katalog

Viadukte aus Kunststoff und Resin gibt es in vielen Ausführungen. Wenn deren Dimensionen und Gestaltung zusagen, dann können diese verwendet werden. Eine Behandlung mit Stoßstangenfarbe wird bei Kunststoff-Exemplaren (wg. UV-Strahlung) ratsam sein. Chris hat’s ausprobiert und wie es scheint hat’s geklappt:

Wills Viaduct in freier Natur
„I’ve decided to go for it and enough kits have been purchased to build 8 arches and 7 legs. Not only have they been purchased, they’ve been build, and are half painted. I popped it out in the sun yesterday while I had the camera out. Everything is primed, four legs have been dry brushed. The deck is in two sections of four arches and isn’t glued to any of the legs yet. I think I’ll pick up another Arch/Leg pack and kit-bash some abutments for the ends.“
Foto und Erläuterung: Chris in diesem Forum-Thread

Peter, bei dem es eisenbahngärtnerisch auch sehr lauschig zugeht, hat ein Plastikviadukt farblich so reichlich behandelt, dass es aussieht als wär’s aus Beton:

Virginia Rail
Originalfoto: Peter, hier

Viadukte aus Porenbeton

Diese Methode wurde vom fabelhaften Mick entwickelt: Das Material Porenbeton ist in Österreich bekannt als und erhältlich unter der Marke „Ytong“. In GB sind die Bausteine offenbar als „Thermalite“ bekannt: Diese haben den Vorteil der grauen Farbe und einer gewissen Strukturierung an der Oberfläche, wodurch sie auch ohne farbliche Behandlung einsetzbar sind (wie im Folgenden noch sichtbar werden wird):

Thermalite-Block

„Ytong“ gibt es nur in Weiß, wodurch eine farbliche Behandlung ziemlich unumgänglich sein dürfte. Auch ein Verputz ist grundsätzlich möglich (schließlich handelt es sich ja um Material, aus dem für gewöhnlich Häuser gebaut werden). Die wahrscheinlich interessanteste Frage wird sein, mit welcher Art von Oberflächenbehandlung das Bauwerk am besten verwittert: Das tut es beim unbehandelten „Thermalite“ nämlich ziemlich gut. Einen Vorteil hat „Ytong“ allerdings auch — nämlich, dass es in unterschiedlichen Breiten zu bekommen ist. Bei „Thermalite“ gibt es (zumindest im Baumarkt bei Mick um’s Eck) nur 100 mm breite Bausteine, die nur für ein Gleis ausreichen. Bei „Ytong“ gibt es auch 150 mm breite Bausteine, mit denen zweigleisige Viadukte möglich sein sollten. Und es gibt sogar (allerdings wiederum 100 mm schmale, also „eingleisige“) Segmentbogen-Bausteine:

Ytong-Baustein gerade
Ytong-Baustein Segmentbogen

Nun denn: Weiter mit Micks Methode. Zuerst werden auf die Blöcke die Formen jeweils zweier Viaduktbogenhälften aufgezeichnet. Die Enden der (Viertel-) Kreissegmente der Rundbögen werden mit einer geraden Linie verbunden. Entlang der nun vorhandenen geraden Linien werden aus den Blöcken „T-förmige“ Stücke geschnitten:

Viadukt aus Porenbeton, Schritt 1
Methode Mick/Worsley Dale Garden Railway
Originalfotos hier
Viadukt aus Porenbeton, Schritt 2
Methode Mick/Worsley Dale Garden Railway
Originalfotos hier
Viadukt aus Porenbeton, Schritt 3
Methode Mick/Worsley Dale Garden Railway
Originalfotos hier

Aneinandergereiht ist nun schon erkennbar, worauf das Ganze hinausläuft:

Viadukt aus Porenbeton, Ergebnis der Schritte 1-3
Methode Mick/Worsley Dale Garden Railway
Originalfotos hier

Dementsprechend werden die Viaduktsegmente entlang eines vorbereiteten Betonfundamentes aufgestellt und mit Mörtel verbunden. Dabei kann auch eine gewisse Streckenkrümmung hergestellt werden:

Viadukt aus Porenbeton, Schritt 4
Methode Mick/Worsley Dale Garden Railway
Originalfotos hier

Nachdem die Verbindungen der Viaduktsegmente untereinander und zum Fundament ausgehärtet sind werden die Rundungen der Rundbögen mit einer Feile ... nunja: gerundet:

Viadukt aus Porenbeton, Schritt 5
Methode Mick/Worsley Dale Garden Railway
Originalfotos hier

Bezüglich der Rundungen und überhaupt der ganzen Formgebung gibt’s sicher auch eine Anzahl möglicher Variationen, so schlägt Baimor in Micks Forum den Einsatz einer Rundsäge vor:

Viadukt — Rundungen mittels Rundsäge
Originalfotos: Baimor hier
Viadukt — Rundungen mittels Rundsäge
Originalfotos: Baimor hier
Viadukt — Rundungen mittels Rundsäge
Originalfotos: Baimor hier

Chris wiederum schlägt etwas weiter im selben Forum-Thread diese Konstruktionsweise vor:

Viadukt — gestapelt
Originalzeichnung: Chris hier

Wie immer man bis hierher vorgegangen ist: Im Ergebnis sollte der Körper des Viadukts mit einer glatten Oberfläche solide dastehen.

Als Nächstes gilt es, den oberen Teil, die „Krone“ zu gestalten und für die Verlegung der Gleise und allfälliger Installationen vorzubereiten.

Vom fabelhaften Mick zuerst erwogene Konstruktion:

Viadukt — Krone Var. 1
nach Mick/Worsley Dale Garden Railway
Originalfoto hier

Diese Konstruktion hätte zwei offensichtliche Vorteile:

  1. ließe sich damit durch entsprechende „Auskragung“ auch bei einem schmalen Viadukt eine für zwei Gleise ausreichend breite „Krone“ herstellen und
  2. ergibt sich ein Kanal, der sich sowohl für Drainage als auch für die Aufnahme von allfälligen Stromkabeln eignen würde.

Entschieden hat sich Mick aber letztenendes für eine nicht auskragende Konstruktion mit „Thermalite“-Platten und daran angeklebten Brüstungsmauern (beides aus Resten der vorangegangenen Schritte):

Viadukt — Krone Var. 2
nach Mick/Worsley Dale Garden Railway
Originalfoto: hier

Wie auch immer die „Krone“ ausgeführt ist — mit oder ohne „Kanal“: Eine Entwässerung nach außen ist jedenfalls eine gute Idee und beim fabelhaften Mick mittels schräger Bohrungen jeweils zwischen zwei Viaduktbögen realisiert:

Viaduct — Drainage
nach Mick/Worsley Dale Garden Railway
Originalfoto: hier
Viadukt — Drainage
nach Mick/Worsley Dale Garden Railway
Originalfoto: hier

Diese Drainagebohrungen sollten nicht zu klein sein, da diesfalls die Oberflächenspannung des Wassers dessen Abfließen be- oder verhindert.

Dies ist vermutlich der richtige Zeitpunkt für eine farbliche Behandlung der ganzen Konstruktion.

Bleibt „nur“ noch die Gleisverlegung ...

Viadukte aus Beton

Diese sind im Gartenbahnbereich, also — bisher — in größeren Maßstäben, Standard. Der Vorteil besteht hauptsächlich in ihrem größeren Eigengewicht, wodurch sie größere Stabilität gewinnen und weniger massive Fundamente bzw. Verankerung benötigen als leichtere Materialien. Bei einiger Mühe ist gegossener Beton auch weitergehend gestaltbar als die Porenbeton-Blöcke.

Selbst gießen bedeutet: eine Verschalung herstellen. So weit so gut. Aber wie die Bögen formen? Da gibt es die durchaus praktizierte Variante, aus Holz (oder Kunststoff) eine Form zu bauen, in die sich ein Viaduktsegment gießen lässt und die zerstörungsfrei lösbar und wiederverwendbar ist. Wenn man auf diese Form einige Hingabe verwendet, dann kann diese auch schon mit den gewünschten Mauerstrukturen ausgestattet werden. So hat’s in professioneller Qualität Andreas gemacht:

Viadukt aus Beton, modular
Die Form für die Viaduktbögen. Diese besteht hier aus mit Blech ausgekleideten Spanplatten. Es werden Dübel für die seitliche Anbringung eines Geländers miteingegossen.
Originalfotos und Baubericht: Andreas, hier
Viadukt aus Beton, modular
Das Brett oben dient zur Formung der „Fahrbahn“ bzw. ergibt sich durch die Spalten neben dem Brett eine Brüstungsmauer.
Originalfotos und Baubericht: Andreas, hier
Viadukt aus Beton, modular
Das vorläufige Ergebnis: Tiptop Bögen.
Originalfotos und Baubericht: Andreas, hier
Viadukt aus Beton, modular
Die Form für die Pfeiler ist nicht ganz unkompliziert, da diese aus einer breiten Basis und einem verjüngten oberen Teil bestehen sollen, der das Lager für die Bögen bildet. Das weiße Klötzchen in diesem oberen Teil ist bloß ein Stück Styropor als Füllmaterial.
Originalfotos und Baubericht: Andreas, hier
Viadukt aus Beton, modular
Ergebnis: Tiptop Stützpfeiler.
Originalfotos und Baubericht: Andreas, hier
Viadukt aus Beton, modular
Und hier sind einige Module ausgestellt, die schon das fertige Viadukt vorstellbar machen.
Originalfotos und Baubericht: Andreas, hier
Viadukt, modular
Hier ist es tiptop zusammengebaut.
Originalfotos und Baubericht: Andreas, hier
Viadukt aus Beton, modular
Und hier noch tiptop verputzt und mit Geländer versehen (wir erinnern uns an die anfangs miteingelassenen Dübel).
Originalfotos und Baubericht: Andreas, hier

Und bei vergleichbar großer Hingabe kann man das nicht nur segmentweise machen, sondern gleich über die gesamte Länge des Viaduktes und in situ. Da kommt es zur Belohnung auf die zerstörungsfreie Auflösbarkeit der Verschalung nicht an — es sei denn, man wollte gleich noch ein zweites Viadukt bauen. So macht’s etwa Georg Wagner (Dschordsch) — er macht’s halt in Baugröße IIm/LGB, was ja egal ist, da ohnehin alles selbst erstellt werden muss:

Viadukt aus Beton
Die Verbindung zwischen äußerer und innerer Schalung ist gleichzeitig die Befestigung für die schwimmende Fahrbahnschalung. Die kleinen Plättchen justieren Höhenlage und Überhöhungswinkel der Fahrbahnplatte. Der verbleibende Spalt links und rechts wird später bis oben hin mit Beton aufgefüllt und bildet den Randweg auf der Konsole. Der Raum unter der Schalung wird später mit den Bögen ausgefüllt.
Originalfoto und Baubericht: Georg Wagner (Dschordsch), hier
Viadukt aus Beton
Die Innenschalung wird passgenau zugeschnitten und eingesetzt.
Originalfoto und Baubericht: Georg Wagner (Dschordsch), hier
Viadukt aus Beton
Die Knetbahnen werden flach ausgerollt auf das individuell erforderliche Breiten- und Längenmaß der Bögen.
Originalfoto und Baubericht: Georg Wagner (Dschordsch), hier
Viadukt aus Beton
Fertiger Bogen mit eingedrücktem Steinmuster.
Originalfoto und Baubericht: Georg Wagner (Dschordsch), hier
Viadukt aus Beton
Die Werkzeuge zum Erstellen der Steinmuster. Die Bereiche der Bögen müssen vor Ort erstellt werden, damit das Muster beider Schalungen zusammenpasst.
Originalfoto und Baubericht: Georg Wagner (Dschordsch), hier
Viadukt aus Beton
Während der Betonierung wird Hasendraht als Bewehrung eingesetzt. Nach entsprechender Verdichtung wird die Fahrbahnschalung eingesetzt. Etwas schwierig ist die Einschätzung, wann der entsprechende Füllstand erreicht ist.
Originalfoto und Baubericht: Georg Wagner (Dschordsch), hier
Viadukt aus Beton
Die Fahrbahnschalung ist eingesetzt, der Beton bis auf Randwegniveau eingefüllt, abgezogen und die Kurzdrähte für die Geländeraufnahme sind eingesteckt.
Originalfoto und Baubericht: Georg Wagner (Dschordsch), hier
Viadukt aus Beton
Nach einigen Tagen Trocknung werden die Schrauben der Verschalung gelöst – mehr noch nicht! Nach weiteren Tagen kann die Außenschalung gelöst werden. Mit gelöster Außenschalung kann das Bauwerk weiter trocknen. Die schwimmende Fahrbahnschalung kann erst nach langer Trocknung entfernt werden: ihre enge Passform könnte sonst den oberen Bereich des Bauwerkes links und rechts abbrechen. Endlich ist alles ausgeschalt. Deutlich zu erkennen ist die tiefe Entwässerungsrinne im Innenbogen.
Originalfoto und Baubericht: Georg Wagner (Dschordsch), hier

Bei der Modellierung der Knete könnten bei ausreichender Flexibilität eventuell auch entsprechende Strukturplatten — diesfalls als „Stempel“ — verwendet werden.

Eine demgegenüber wieder etwas einfachere Methode besteht darin, in situ den gewünschten Verlauf des Viadukts „glatt“ zu verschalen und in passenden Abständen bogenförmige Teile aus z.B. Styropor oder Styrodur oder sonst einem einfach bearbeitbaren Material einzusetzen. Danach folgt ein Verputz und im Verputz die Herstellung der gewünschten Oberflächenstruktur. So haben sie’s bei der Gartenbahn Furka-Bergstrecke gemacht:

Viadukt aus Beton
Formen für die Bögen aus Styropor.
Originalbild: Gartenbahn Furka-Bergstrecke, hier
Viadukt aus Beton
Originalbild: Gartenbahn Furka-Bergstrecke, hier
Viadukt aus Beton
Verschalung, ebenfalls aus Styropor. Auf ein Fundament wurde hier gänzlich verzichtet. Stattdessen wurden Eisenstangen 1 m (!) in die Erde getrieben.
Originalbild: Gartenbahn Furka-Bergstrecke, hier
Viadukt aus Beton
Entfernung der Verschalung — in Weiß erkennbar: die Bogenformen.
Originalbild: Gartenbahn Furka-Bergstrecke, hier
Viadukt aus Beton
Die fertige Struktur. Diese wurde mit Feinputz verputzt ...
Originalbild: Gartenbahn Furka-Bergstrecke, hier
Viadukt aus Beton
... mit Feinputz, nämlich ...
Originalbild: Gartenbahn Furka-Bergstrecke, hier
Viadukt aus Beton
... und in diesen die gewünschte Steinstruktur modelliert.
Originalbild: Gartenbahn Furka-Bergstrecke, hier

Arkaden

Bei „mäßiger Hochlage“ kann auch eine Gestaltung von Arkaden reizvoll sein, die (modell-)baulich so etwas wie Viadukte ohne offene Bögen sind, also relativ einfach in Beton gegossen oder aus Porenbeton zusammengestellt werden können. Die Arkadenstruktur kann eventuell mit entsprechenden Gußformen hergestellt werden.

Oder man greift gleich auf die zahlreichen Fertigprodukte aus Kunststoff und Resin zurück und behandelt diese mit lichtechten, UV-beständigen Farben — wobei Arkaden für größere Stabilität eventuell mit einem Kern aus (Poren-) Beton ausgestattet werden können.

Tunnel

Auch bei Tunnelportalen gibt es ein riesiges Angebot an Kunststoff- und Resinteilen, die problemlos verwendet werden können. Und auch hier gibt es Gußformen, mit denen Tunnelportale aus outdoor-geeignetem Material selbst gegossen werden können.

Für das Innere des Tunnels können auch Röhren aus dem z.B. Installationsbereich verwendet werden. Wichtig wird jedenfalls sein, die Zugänglichkeit des Tunnels zumindest für die Reinigung und für den Fall einer Entgleisung zu gewährleisten. Im Allgemeinen wird das bedeuten, dass der Tunnel nicht länger als zwei schwache Armlängen sein darf — es sei denn, man findet eine elegante und auch landschaftlich überzeugende Lösung, einen Teil der Tunneldecke abnehmbar zu gestalten.

Ein spezielles Problem bei Tunnels besteht darin, dass so einige Tierchen diese als dankenswerter Weise vorgefertigte Nester betrachten und sich darin häuslich einrichten könnten. Dagegen wären eventuell außerhalb der Betriebszeiten an den Tunneleingängen anzubringende Deckel oder Gitter oder — eleganter — Tore vorzusehen. Mind you:

You need to make covers animal proof or the small furry ones will find it a nice place to live.

AMJ, hier

Little rodenty things are always on the lookout for a home and will stuff a small cross section hole with leaves quicker than you can say ‚squeak‘.

34C, hier

LOL! Das alles (Gitter, Tore ... an Tunneleinfahrten) wird schwerlich ein Vorbild im Maßstab Einszueins finden — aber bei der H0-Gartenbahn könnte man die Frage ja auch so stellen: Wenn die ÖBB in diesem Gelände (mit dieser Flora und Fauna) eine Strecke zu bauen und zu betreiben hätten — wie würden sie’s möglicherweise machen? Dann geht es darum, den realen Erfordernissen entsprechende, praktische und „stilgerechte“ Lösungen zu finden.

Die OO-garden railway-Betreiber verwenden für den Tunnelbau z.B. Rolladenkästen und Abwasserrohre oder sie mauern den Tunnel mit geraden Seitenwänden und einer Deckplatte. Wenn geschlossene Rohre verwendet werden, dann müssen die Gleise samt Trasse in situ eingeschoben werden. Eine Variante wäre noch, ein Rohr längs zu halbieren und die beiden Hälften nur als Tunneldecke zu verwenden.

Die Kollegen in den größeren Nenngrößen machen’s im Prinzip genauso, wobei sie es eventuell etwas leichter haben beim Finden zweckentfremdbarer Bauteile, da es im Baumaterial-, Sanitär- und Elektroinstallationsbereich mehr Teile gibt, die — nunja: größenmäßig — passen.

Wenn ich einen Tunnel zu bauen hätte würde ich etwa Folgendes versuchen:

Ziel wäre ein zweigleisiger, gerader oder sehr sanft gekrümmter Tunnel mit Oberleitung. Die habe ich mir in den Kopf gesetzt alleine schon um einen 4010er überzeugend verkehren zu lassen — was ja zweifellos überhaupt der nobelste Zweck einer H0-Gartenbahn ist.

Ich würde erst einmal in einem ausreichend tief und breit ausgehobenen Graben die Trasse „ganz normal“ weiterbauen: also auf einer Sand- und Kiesschicht (zwecks Drainage) ein Fundament betonieren, darauf eine Schicht „rubbercrete“ aufbringen, darauf die Gleise verlegen (und — falls gefilmt werden soll — eventuell auch schottern). Allerdings befindet sich diese Trasse ja am Ende in einer Röhre — also muss dafür gesorgt werden, dass eindringendes Wasser abfließen kann: Dafür kann man eventuell schon im Zuge des Betonierens mit Abflussröhrchen alle — sagenwirmal — 10 cm vorsorgen. Oder man bohrt nachträglich Löcher.

Im Hinblick auf den weiteren Bau würde ich das Tunnelfundament etwa 20-21 cm breit ausführen — was auch so etwa der (Gesamt-) Breite handelsüblicher, 2-gleisiger Tunnelportale entspricht. Falls man seine Trasse lieber aus Ziegeln baut als sie vollständig zu betonieren: eine Breite von 20 cm ist bei Ziegeln ganz üblich — und es gibt sie auch mit bereits vorgefertigten Drainage-Löchern:

Ziegel
mit vorgefertigten Drainage-Löchern

Die Oberleitung im Tunnel wird man eher robust als vorbildtreu bauen, da Reparaturen nach dem Schließen des Tunnels nicht mehr möglich sein werden. Da eine Befestigung der Tunneloberleitung an der Decke (die bei Schattenbahnhöfen die darüber liegende „Grundplatte“ oder das darüber liegende Trassenbrett ist) in diesem Szenario auch schlecht machbar sein wird neige ich persönlich dazu, die Tunneloberleitung von z.B. Viessmann zu verwenden und diese eventuell durch zusätzliche Klebungen noch robuster zu machen:

Tunneloberleitung
von Viessmann: Die Befestigung der Masten erfolgt durch seitliches Einschieben in Sockel, die von oben auf der „Grundplatte“ angeschraubt werden. Das Fahrleitungsband wird an den Auslegern eingeklemmt. Da würde ich eventuell zusätzlich einen Klebepunkt (mit Superkleber) anbringen.

Das trifft natürlich auch auf die Gleise zu: Im Tunnel befindliche Schienenverbinder und eventuell aufgelötete elektrische Verbindungen können auch nicht mehr repariert werden sobald der Tunnel geschlossen und eingegraben ist. Deshalb wäre es am besten, wenn es im Tunnel gar keine Schienenstöße gäbe: Ein Flexgleis hat üblicher Weise ein Länge von etwas weniger als 1 m — und sehr viel länger sollte ja ein Tunnel gar nicht sein: zwecks Erreichbarkeit im Fall einer Entgleisung oder um gößere Hindernisse hinausbugsieren zu können.

Nachdem Gleise und Oberleitung verlegt sind geht’s um die Seitenwände und die Decke des Tunnels. Dafür habe ich mir folgende Möglichkeiten zurechtgelegt:

  1. Die Seitenwände an der Trasse und obend’rauf einfach eine flache Decke befestigen (beides mit Mörtel oder Fliesenkleber).
    Als Seitenwände könnten sich Verblendsteine eignen: Die gibt’s in unterschiedlichen Ausführungen. Wenn man Kamerafahrten beabsichtigt und auf die Ästhetik des Tunnelinneren Wert legt, dann wäre vielleicht etwas in dieser Art geeignet:
    Verblendstein
    Länge 37 cm x Höhe 12 cm x Breite 2,4-2,6 cm

    Oder man nimmt eine Rasenkante — die sind weitaus billiger, etwas höher, aber auch dicker:

    Rasenkante
    Länge 50 cm x Höhe 15 cm x Breite 4,5 cm

    Die Decke muss vielleicht nicht ganz flach sein: Statik- und drainagehalber wäre vielleicht eine Mauerabdeckplatte Modell „Satteldach“ vorteilhaft:

    Mauerabdeckplatte
    Länge 50 cm x Breite 25 cm
  2. Die Seitenwände an der Trasse anbringen und auf die Seitenwände eine runde Form aufsetzen. Das könnte vielleicht ein längs halbiertes Plastikrohr sein. Oder aber eine umgedrehte Ablauf- oder Entwässerungsrinne:
    Ablaufrinne
    Länge 100 cm x Breite 20 cm x Höhe 8,5 cm
  3. Oder gleich für den ganzen Tunnelaufbau (also Wände und Decke) eine umgedrehte Entwässerungsrinne nehmen:
    Entwässerungsrinne
    Länge 100 cm x Breite 25 cm (innen: 15 cm) x Höhe 23 cm (innen schätzungsweise ebenfalls ca. 15 cm)

Eine — auch noch so sanfte — Streckenkrümmung wird mit den Methoden 2 und 3 eher schwierig zu realisieren sein: Dafür müsste man die Ablauf- bzw. Entwässerungsrinnen stückeln.

Außer Drainage nach unten wäre vielleicht auch noch eine Abdichtung oben und seitlich zu erwägen: Dafür könnte sich das Zeug eignen, das auch für die Abdichtung von Dächern verwendet wird:

Bitumen-Dickbeschichtung
eher zum Spachteln
Dach- und Isolieranstrich
eher zum Streichen

Da wird’s dann vielleicht eine gute Idee sein, gleich so etwas mitzukaufen:

Latexhandschuhe

Galerien

Für Galerien gibt es ebenso ein riesiges Angebot an Teilen und Gußformen, aus denen sich geeignete Konstruktionen relativ einfach selbst bauen lassen. Galerien können im Garten sehr hilfreich sein, um Gleise und Fahrzeuge vor den Unbilden der Wildnis zu schützen und doch auf reizvolle Weise sichtbar zu lassen. Zu bedenken ist halt die Reinigungsmöglichkeit (Zugänglichkeit für Beserl oder Pinsel).

Stützmauern etc. ...

Mit den schon bisher und noch nachfolgend angeführten Mitteln sollte es ein Klacks sein, Stützmauern an Hängen und Einschnitten zu bauen. Diese erfüllen wie im großen Maßstab auch die Funktion, das Erdreich zu stützen, vor Erdrutschen und Felsstürzen zu schützen und die Vegetation möglichst aus dem Lichtraumprofil herauszuhalten.

Stützmauer mit Drainage
nach Paul D. Race. Entscheidend ist die Anordnung der Kiesschicht, die dem Wasser ermöglicht, unter der Stützwand durchzusickern.
Originalbild und Erklärungen: Paul D. Race, hier

Mauern und eher noch Zäune könnten dafür auch nützlich sein. Eventuell können Zäune auch Kleingetier von den Gleisen abhalten. Auch an Mauern, Zäunen, Geländern, Schutzgittern gibt es ein reichliches Angebot im Modellbaubereich. Da kann aber für gröbere Aufgaben natürlich auch auf Material aus dem Baumarkt zurückgegriffen werden.

Witziger Weise scheinen die H0/OO-Gartenbahner bezüglich der Absturzsicherung für die Fahrzeuge weniger besorgt zu sein als die „indoor“-Kollegen. Würden sie sich ’was scheissen wären sie’s ja auch nicht! Andererseits sind die Fahrzeuge ja wirklich nicht so richtig billig. Gitter, Geländer, Brüstungen usw. könnten bei ausreichender Solidität auch diese reale, nicht bloß schmückende Funktion übernehmen.

Eventuell nützliche Produkte

Zunächst einmal gibt es ja für den Modellbau im „Innenbereich“ Hilfsmittel zur Formung von Strukturen in z.B. Gips. Diese werden sich zumeist auch dafür eignen, Zementmörtel in Form zu bringen und so geeignete Bauelemente herzustellen oder Oberflächen zu gestalten:

Da wären zunächst einmal Gußformen für Mauern, Arkaden, Tunnelportale usw.
Bei der Herstellung von Oberflächenstruktur im Verputz könnten sich eventuell Stempel oder Stempelrollen für Mauerstrukturen als nützlich erweisen.

Die Gußformen ließen sich mit z.B. etwas in dieser Art begießen:

„Bastel-Beton“
Der Hersteller verspricht: „Durch seine wasserundurchlässige Oberfläche und die Eigenschaft der hohen Feuchtigkeits- und Frostbeständigkeit eignet sich der Beton neben der Anwendung im Innenraum optimal auch für die Gestaltung des Außenbereichs. Des weiteren überzeugt der angenehm mit Wasser mischbare Pulverspachtel durch seine enorme Endfestigkeit. Die Verarbeitungszeit der Masse liegt bei etwa 30 Minuten. Nach 24 Stunden ist der Bastel Beton bereits vollständig durchgetrocknet.“

... während sich mit Stempeln und Stempelrollen so etwas bearbeiten lassen müsste:

„Knet-Beton“
Der Hersteller verspricht: „Durch seine wasserundurchlässige Oberfläche und die Eigenschaft der hohen Feuchtigkeits- und Frostbeständigkeit eignet sich der Beton neben der Anwendung im Innenraum optimal auch für die Gestaltung des Außenbereichs. Des weiteren überzeugt der angenehm mit Wasser mischbare Pulverspachtel durch seine enorme Endfestigkeit. Die Verarbeitungszeit der Masse liegt bei etwa einer Stunde. Nach 24 Stunden ist der Knet Beton bereits vollständig durchgetrocknet.“

Im Ergebnis sollte man so etwas wie „H0-Mauerstrukturfliesen“ haben, die folgerichtig mit Fliesenkleber an die Beton- oder Porenbetonbauten geklebt werden können sollten:

Fliesenkleber
Der Hersteller verspricht: „Der Fliesenkleber kann durch seine Frostbeständigkeit als Dünn- und Mittelbettmörtel im Innen- und Außenbereich eingesetzt werden. Er eignet sich unter anderem zum Kleben von keramischen Wand- und Bodenplatten, Fliesen, Steinzeug, Leichtplatten sowie zum Ausgleichen kleiner Unebenheiten. Der Kleber ist zudem witterungs- und wärmebeständig.“

Dann eventuell noch sichtbare Fugen verspachteln und: im Prinzip ferrdisch.

Die ganze Angelegenheit wird aber jetzt noch aussehen wie eine kurios verflieste Mauer. Da wird eine farbliche Behandlung notwendig sein. Und da wir uns ja draußen befinden liegt es nahe, dafür Farbe für draußen zu verwenden:

Dispersionsfarbe
... für Fassaden, mit beliebiger Abtönung.

Um die gerade gegossenen und gestempelten Strukturen nicht mit der Dispersion zuzukleistern wird es vielleicht notwendig sein, diese gehörig zu verdünnen und/oder nicht zu dick aufzutragen — besser mehrmals mit eher „trockenem“ Pinsel. Es geht ja nur um die Färbelung, geschützt muss da ja nichts mehr werden.

Eventuell könnten auch Ziegel und Bausteine aus echtem Stein für die Gestaltung verwendet werden.

Es gibt auch Geländer und Schutzgitter in vielfältigen Ausführungen, die für viele Kunstbauten verwendbar sein könnten.

Mancherorts könnten auch Einfriedungen in Einszusiebenundachzig nützlich sein, um Fauna und Flora zu befrieden.

nächster Teil: Bahnanlagen