Bahnanlagen
Gleise
Beim Gleismaterial ist zunächst — naheliegend — auf Rostbeständigkeit zu achten. Stahlschienen sind im Allgemeinen nicht aus rostbeständigem Material hergestellt und rosten im Freien auch sehr rasch. Rostfrei hingegen sind Nickel-Silber-Schienen. Bei bereits vorhandenem Gleismaterial kann der Magnet-Test vorgenommen werden: Ist’s magnetisch, dann ist’s Stahl, ist’s nicht magnetisch aber von silbriger Farbe, dann ist’s Nickel-Silber. Ist’s von eher güldener Farbe, dann ist’s Messing und rostet ebenfalls nicht.
Auch zu achten ist — vielleicht weniger naheliegend — auf das an sich ja wünschenswerte Sonnenlicht (Trocknung), da nicht alle Kunststoffe UV-beständig sind: Sind sie es nicht, dann zerbröseln sie irgendwann — wobei das Hauptproblem die Kunststoff-Weichmacher sein dürften, die sich durch die Sonneneinstrahlung allmählich verflüchtigen. Bei den dedizierten Gartenbahn-Baugrößen (G, 0, ...) ist das Kunststoffmaterial standardmäßig „UV-beständig“. Das ist es in H0 standardmäßig nicht.
- Glücklicher Weise wissen wir zumindest durch die Erfahrungen der braven Briten, dass das auf ihrer Insel produzierte Peco-Gleis sich in der freien Natur (und wie ich lese auch in den ehemaligen Kolonien jenseits des Teiches und down under) bewährt hat. Ein Teilnehmer des einschlägigen Forums hat bei Peco angefragt und die haben ihm mitgeteilt, dass ihr Gleis aus „UV-stabilisiertem Plastik“ gefertigt ist. Es gibt mittlerweile von allen drei Kontinenten Berichte über Gleise dieser Marke, die 20 und mehr Jahre ohne Zerfallserscheinungen verlegt waren bzw. sind, auch unter insgesamt ungünstigen Wetterbedingungen. Als vergleichbar zuverlässig wird von jenseits des Teiches Atlas-Gleis beschrieben, wobei die Weichen von Peco etwas zuverlässiger sein dürften. Diese positiven Erfahrungen könnten eventuell den kleinen Nachteil einer für ein „mitteleuropäisches“ Thema nicht ganz vorbildtreuen Optik locker aufwiegen.
Peco-Gleis nach 12 Jahren im Freien„[...] some of my sleepers are looking rather white [...]“ — „[...] I’m assuming its an UV issue because it’s only happened to lengths of rail that are on the sunny side of the railway. [...]“aus diesem Forum-Thread: The actual track! - Aus dem deutschsprachigen Raum wird vom RocoLine-Gleis mit seiner Kunststoffbettung positiv berichtet, wobei es aber an wirklichen Langzeiterfahrungen noch mangelt. Der Vorteil wird wohl hauptsächlich in der Kunststoffbettung gesehen, mit der sich die Gleise ohne weitere Maßnahmen (von kosmetischen abgesehen) auf die im deutschsprachigen Raum ebenfalls beliebten hölzernen Trassenbretter montieren lassen.
Bei der Profilhöhe der Schienen wird Code 100 (2,5 mm) empfohlen, da damit das Entgleisungsrisiko durch millimeterkleine Sandkörner und sonstiges in der Natur vorkommendes Kleinmaterial minimiert werden kann. „H0-fine“ ist also — Überraschung! — für Außenanlagen eher nicht geeignet.
An den Gleisstößen ist es zweckmäßig/notwendig, je nach Temperatur zum Zeitpunkt des Baus (und Länge der aufeinandertreffenden Gleisabschnitte) Dehnungsfugen vorzusehen. Wird bei eher moderatem/kühlem Wetter gebaut dürften bei einer Flexgleis-Länge von etwa 1 m etwa 1-2 mm angemessen sein.
Dazu gibt es noch den Bonus-Tip von Jim: In Kurven dafür zu sorgen, dass die äußere Schiene dementsprechend länger ist und die Stöße mit Dehnungsfugen (1-2 mm/Meter) nicht auf gleicher Höhe sondern leicht versetzt vorzusehen:
Weichen, Antriebe
Weichen
Für die Weichen wird im „outdoor“-Einsatz empfohlen, die Zungen und Außenschienen jeweils mit gelöteten Drahtstücken zu verbinden, um die elektrische Kontinuität sicherzustellen, die durch die Weichenzungen alleine aufgrund deren größerer Verschmutzung nicht sichergestellt ist (das selbe Problem wie bei den Schienenstößen bzw. -verbindern — „Grind“):
Antriebe
Des Weiteren wird berichtet, dass die Federn, die bei Magnetantrieben (Spulenantrieben) verwendet werden, um die Weichenzungen in der Endlage zu halten, anhängig von der Qualität des verwendeten Stahls im Außeneinsatz früher oder auch später, letztlich aber doch recht zuverlässig rosten. Es ist daher grundsätzlich empfehlenswert, Motor-/Servoantriebe zu verwenden und die (bei den Peco-Weichen) allenfalls vorhandenen Federn zu entfernen. Im Allgemeinen werden Servoantriebe verwendet.
- Diese Servoantriebe sollten in möglichst dicht verschlossenen Gehäusen untergebracht werden. Die Schwachstelle dabei ist der Auslass für den Stelldraht. Dieser kann mit Silikonfett abgedichtet werden:
Servo in GehäuseOriginalfoto und Beschreibung: Ian, hier
Servo in Gehäuse und geschickt getarntOriginalfoto und Beschreibung: Ian, hier - Einen alternativen Antrieb für den Außenbereich hat der fabelhafte Ian auch noch gefunden und erfolgreich im Einsatz: einen Motor für eine KFZ-Zentralverriegelung. (Witziger Weise nutzen umgekehrt Auto-Schrauber Modellbaumotoren als Ersatz für alte Zentralverriegelungs-Antriebe.) Der Vorteil: Motor und Getriebe sind bereits wasserfest eingekapselt und man muss sich nur noch um die Umlenkung des Stelldrahtes mittels Schläuchen, Röhren, Hebeln ... kümmern:
ZentralverriegelungsantriebBraucht ein bisschen Platz, ist aber dafür schon out of the box outdoor-geeignet.Originalfoto und Beschreibung: Ian, hier
ZentralverriegelungsantriebMontiert, mit erstem Umlenkhebel für den Stelldraht.Originalfoto und Beschreibung: Ian, hier
ZentralverriegelungsantriebVon rechts kommt der Stelldraht durch einen Kunststoffschlauch (oder -röhrchen), noch ein kleines Umlenkhebelchen, das sich recht unauffällig in die Landschaft fügt und eventuell sogar mit etwas getarnt werden könnte, das einem echten Weichenantrieb ähnelt ... et hop, ça tourne!Originalfoto und Beschreibung: Ian, hier
Oberleitung
Insbesondere bei einem österreichischen (oder auch schweizerischen) Anlagenthema wäre der Fuhrpark ohne Elektrifizierung ziemlich arg eingeschränkt. Welchen edleren Zweck könnte eine Gartenbahn haben, als einem oder mehreren 4010ern den gebührenden Auslauf zu verschaffen? Das sieht dann aber ohne Oberleitung und mit angelegtem Stromabnehmer etwas traurig aus.
Und ohne 1042er wäre ja bei den ÖBB in „Epoche IV“ garnix gegangen ...
So eine Oberleitung ist schon „indoors“ eine Menge Arbeit, „outdoors“ ist sie’s also erst recht, da hier auf Stabilität einerseits noch mehr Wert gelegt werden muss, andererseits die Befestigung der Oberleitungsmasten, vor allem in Abwesenheit von Holz, etwas aufwendiger ist und bei der Planung und Trassenkonstruktion mitberücksichtigt werden muss. Da die Oberleitung nur in situ gebaut werden kann könnte das auch eine physisch herausfordernde Angelegenheit werden.
Das größte praktische Problem mit der Oberleitung dürften eber eher nicht die Elemente sein, sondern eher die etwas erschwerte Zugänglichkeit der Gleise für die Grobreinigung (mit Beserl und Schauferl).
Eine Möglichkeit, dieses Problem zu umgehen, besteht darin, nur Oberleitungsmasten aufzustellen und auf den Fahrdraht zu verzichten, zumal dieser, wäre er maßstäblich, aus einiger Entfernung für die Augen der ungeschrumpften Einszueins-Menschen ohnehin nicht sichtbar wäre. Der Hub der Stromabnehmer muss in diesem Fall begrenzt werden: Dafür gibt’s verschiedene Methoden mit Fäden, Drähten, Stiften, Plastikteilchen ... Es gibt aber auch eine käufliche Lösung: den Pantofixer. Hier zur Ansicht: Wight Coast Main Line, mit Masten, ohne Drähte:
Und auch Thomas, Maximilianshafen, macht es so: