Instandhaltung
Die gute Nachricht: Staubsaugen ist bei der Außenanlage eher kein Thema. Die andere Nachricht: Um die Eisenbahn funktionsfähig zu halten und Beschädigungen der Fahrzeuge hintanzuhalten ist intensivere und häufigere Grob- und Feinreingung erforderlich als bei Innenanlagen.
Strecke
Notwendig wird so ziemlich bei jedem Betriebsbeginn eine „Streckenbegehung“ sein um zu kontrollieren, ob sich gröbere Hindernisse an der Strecke befinden, und diese wegzuräumen, zu -kehren oder zu -stutzen.
Solche gröbere Hindernisse können herumliegende Steine, Blätter, Zweige ... sein, oder in das Lichtraumprofil hineinwachsende Gewächse, oder langsame Kriechtiere auf den Gleisen.
Eine Streckeninspektion könnte aber allenfalls auch mit einem Kamerafahrzeug durchgeführt werden (nennen wir es einmal — als ÖBB-Infrastrukturfahrzeug — „INSCHPEKTA“), was auch die Inschpektion von Tunnels und anderen vielleicht schlecht einsehbaren Streckenteilen erleichtern könnte. Überhaupt eignen sich solche Kamerafahrten gut dafür, Mängel entlang der Strecke wie Knicke in der Gleisführung und andere Ungenauigkeiten, Verwerfungen etc. aufzudecken. Kamerafahrzeuge gibt’s — nicht ganz billig — als Fertigmodelle; man kann sie aber auch aus geeigneten Waggons bzw. Chassis und Minikameras selbst bauen.
Große Hindernisse & Schnee
Größere Hindernisse können freilich per Hand oder Beserl entfernt werden. Auch dafür kommen aber Fahrzeuge in Betracht — im Winter auch Schneeräumfahrzeuge. Dafür gibt’s einerseits Pflüge, die in Einszusiebenundachzig grundsätzlich ebenso funktionieren wie in Einszueins:
Den gibt’s genau so auch in H0:
bzw. gibt es ein einigermaßen breites Angebot an Pflügen in unterschiedlichen Größen und Formen.
Für ausreichend Schubkraft müsste wahrscheinlich durch Doppel- oder Dreifachtraktion gesorgt werden, wodurch auch die Stromaufnahme bei erst grob gereinigten Schienen verbessert werden könnte. Vielleicht wäre zwecks gesicherter Stromaufnahme auch zu erwägen, jeweils den ganzen Reinigungszug mit stromführenden Kupplungen zu verbinden. Wichtig dürfte für die Schneeräumungs- wie für alle Reinigungsfahrzeuge auch ein ausreichendes Eigengewicht sein: für gute „Gleislage“ und bei den nachfolgend noch angeführten Reinigungsfahrzeugen auch, um den nötigen Druck auf die Schienen auszuüben.
Mit dem Pflug lassen sich auch ohne Schnee schon einmal größere Hindernisse (Steine, Zweige ...) vom Gleis schubsen.
Was den Schnee angeht gibt’s als Königsdisziplin des Winterdienstes zudem — mit erheblicher Spaßkomponente — Schneefräsen. In Gartenbahngrößen werden funktionale Modelle angeboten:
Solche Funktionsmodelle gibt’s in H0 nicht zu kaufen. Aber mit geeigneter Motorisierung könnte vielleicht eines dieser Kleinbahn bzw. Klein Modellbahn-Modelle funktional gemacht werden:
Dafür könnte sich eventuell ein Motor aus dem Modellflugzeugbau eignen:
Bei den Rotoren könnten eventuell die Zwischenräume zwischen den Rotorblättern zu gering sein und verstopft werden. So ein Schneekristall dürfte ja für die auf ein Siebenundachzigstel Geschrumpften etwa so groß sein wie ein Kieselstein, was für die maßstäbliche Fräse auf den Versuch hinausläuft, einen — noch dazu klebrigen — Kieshaufen wegzufräsen. Da würde ich den Ersatz durch eine Schiffsschraube erwägen, der es vielleicht besser gelingt, den Haufen in den Kasten zu schwurbeln:
Oder vielleicht noch besser: ein Impeller, wie er für Modell-Düsenjets verwendet wird:
Nur nebenbei sei erwähnt, dass Gartenbahner aus umgekehrten Impellern auch fahrbare „Laubbläser“ bauen.
Vegetation
Je nach Trassengestaltung wird es mehr oder auch weniger Pflanzen geben, deren Zweige und Blätter in’s Lichtraumprofil wachsen. Diese lassen sich natürlich mit der Schere stutzen. Eventuell einfacher und jedenfalls lustiger wäre aber auch dafür ein Fahrzeug: Nennen wir’s, beim bewährten Schema bleibend, „STUTZA“.
So einen hat hier Alexander Jamieson in Nenngröße G gebaut:
Und weil’s so gut funktioniert hat’s auch gleich ein Anderer nachgebaut:
Auch hier könnte sich ein Motor aus dem Modellflugzeugbereich als brauchbar erweisen. Ich habe mir ausgeknobelt, dass der Trimmerfaden in H0 gemäß NEM eine Länge von 51 mm (HL5 minus HL2), also einen Radius von 25,5 mm haben müsste:
Ob das „weed slashing“ mit so kurzen Trimmerfäden funktioniert wäre wohl nur praktisch herauszufinden. Falls nicht wär’ aber auch noch nicht alles verloren: Der Kollege Jamieson hat seinen slasher zuerst mit festen Klingen gebaut und sich erst für Trimmerfäden entschieden nachdem ihm eine Klinge davongefolgen ist. Ich meinesteils habe im ersten Anlauf an kleine Kreissägeblätter gedacht. Und sieheda — sowas gibt’s tatsächlich:
Sand, kleinere Hindernisse ...
Was nach dem Pflügen, Schleudern und Stutzen noch auf den Gleisen herumliegt kann dann weggekehrt werden. Dafür gibt’s in den üblichen Gartenbahn-Größen wieder Fahrzeuge zu kaufen bzw. gibt’s hier einen Bausatz:
Der wird als solcher wahrscheinlich eher nicht an H0 anpassbar sein. Aber etwas in dieser Art könnte mit im Handel erhältlichen Einzelteilen bestimmt gebaut werden.
Es ist aber fraglich, ob es zum Kehren überhaupt eine rotierende Bürste braucht. Vielleicht könnte man ja auch z.B. aus schmalen, zurechtgeschnittenen, eventuell „pflugförmig“ angeordneten Pinseln ein Kehrfahrzeug bauen, das nur mittels der Elastizität der Pinselhaare funktioniert. Naja: Versuch macht kluch.
Schienenreinigung
Nachdem alle mechanischen Hindernisse beseitigt sind geht’s um die Reinigung der Schienen, um den elektrischen Rad-Schiene-Kontakt aufrechtzuhalten bzw. zu optimieren.
Auch das kann man natürlich mit bloßen Händen machen — das schaut dann etwa so aus:
Oder man verwendet dafür Fahrzeuge — nämlich outdoors grundsätzlich die gleichen wie indoors:
Bei Trockenreinigungs-Fahrzeugen wird so etwas wie ein Reinigungs-Pad, -filz, -tuch ... entweder nur durch die Fahrbewegung oder mit einer Rolle über die Schienen gezogen. Wie auch im Innenbereich ist von abrasiven Medien („Schleifpapier“) abzuraten, da diese Mikro-Rillen verursachen, in denen sich der Schmutz besonders gut ablagern kann — und von ablagerungswilligem Schmutz gibt’s draußen noch sehr viel mehr als drinnen.
Wenn die Mechanik auf den Kopf gestellt wird ist dieses Fahrzeug auch für die Oberleitungs-Reinigung verwendbar:
Trockenreinigungsfahrzeuge mit starren Pads gibt’s von etlichen Herstellern — die sind samt & sonders in dieser Art konstruiert:
Nachdem nun geräumt, getrimmt, gekehrt und geputzt ist kann’s an die ultimative Schienenreinigung mit einem flüssigen Reinigungsmittel gehen. Bei den wackeren OO-Gartenbahnern beliebt und bewährt ist dafür der CMX Track Cleaner:
Der Tank hält so ziemlich jeder Reinigungsflüssigkeit stand, die Flüssigkeitsabgabe lässt sich mit dem Ventil auf der Oberseite regeln. Als Reinigungsmittel scheint bei den OO-Gartenbahnern Isopropylalkohol (IPA, auch Isopropanol oder 2-Propanol) hoch im Kurs zu stehen.
Indoors hängen dann einige noch einen Trocken-WISCHA d’ran — das ist aber outdoors vermutlich verzichtbar.
Conclusio: Reinigungszüge
Es ergäben sich etwa folgende Kompositionen:
- Für die Grobheiten — nach Jahreszeit und Bedarf: RAMA, SCHLEIDA oder STUTZA
- Regelmäßig: KEHRA — PUTZA — (OPUTZA) — WOSCHA — (WISCHA)
Fahrzeugreinigung
Für die tadellose Stromaufnahme und den tadellosen Lauf der Fahrzeuge brauchen wir nicht nur saubere Schienen sondern auch saubere Räder. Draußen gibt’s wahrscheinlich sogar weniger fusseligen Staub als drinnen, dafür aber ziemlich viel klebriges Zeug, das auf die Schienen geraten kann: Blätter, Sekrete und Ausscheidungen von Lebewesen aller Reiche, Gattungen und Arten ... Das alles bleibt dann auch auf den Rädern kleben und erfordert dementsprechende Reinigung.
Wie schon bei der Trassen- und Gleisreingung gilt auch hier: Das kann man freilich „zu Fuß“ bzw. „mit der Hand“ machen — also z.B. mit Wattestäbchen in der „Lokliege“ („cradle“). Ein weniger klinischer Zugang sind Radreinigungsanlagen. Die gibt’s in zweierlei Ausführungen: „für die Werkstatt“ und „für die Anlage“. Erstere sind nicht von „gewöhnlichen“ Gleisen her befahrbar: Da müssen also die Loks und Wagen einzeln vom Gleis genommen und auf den Radreiniger gesetzt werden.
Ich persönlich finde ja die in die Gesamtanlage einbaubaren Anlagen attraktiver: Die können in einen Gleisstrang integriert und (ausreichende Gleislänge vorausgesetzt) von ganzen Zügen befahren werden. Das ist einerseits bequemer. Andererseits entsteht so eine Anlage, bei der die Wartung der Fahrzeuge nicht nur möglichst vorbildnahe simuliert sondern den Erfordernissen der real existierenden Modellbahn entsprechende Wartung tatsächlich durchgeführt wird.
Bei Fahrzeugen, die draußen unterwegs sind, ist mit einem gewissen natürlichen „weathering“ zu rechnen sodass auch eine regelmäßige Reinigung der Wagenkästen ein Thema werden könnte. Dafür gibt’s ebenfalls funktionale Reinigungsanlagen, die eventuell eine gute Ergänzung der Radreinigungsanlagen abgeben könnten.


